Vitamin K ist eine Sammelbezeichnung für mehrere fettlösliche Verbindungen, die für die Blutgerinnung (Koagulation) notwendig sind. Für den Menschen sind nur zwei natürlich vorkommende Vertreter dieser Gruppe von Bedeutung: Vitamine K1 (Phyllochinon) und Vitamin K2 (Menachinon).

 

Vitamin K1 kommt in allen Pflanzen vor, da sie es für die Photosynthese benötigen. Es wird mit der Nahrung aufgenommen und aktiv in die Schleimhaut des Dünndarms (Mukosa) transportiert. Vitamin K2 wird von unterschiedlichen Darmbakterien (z.B. Escherichia coli oder Bacteroides fragilis) produziert und freigesetzt. Über passive Diffusion gelangt es ebenfalls in die Zellen der Mukosa. Von hier aus wird Vitamin K an unterschiedliche Transportproteine gebunden und in das Blut abgegeben. In der Leber kann es bis zu 14 Tage gespeichert werden. Nicht gespeichertes Vitamin K wird innerhalb von 24 Stunden verbraucht.

Wofür brauchen wir Vitamin K?

Wie das K im Namen bereits andeutet, ist die wichtigste Aufgabe von Vitamin K eine Sicherstellung der normalen Blutgerinnung (Koagulation). Die Blutgerinnung ist ein lebenswichtiger Prozess, der es dem Körper ermöglicht, Wunden zu verschließen und so den Blutverlust nach einer Verletzung zu begrenzen. Der Vorgang ist sehr komplex und läuft über eine sogenannte Gerinnungskaskade, an der 12 unterschiedliche Gerinnungsfaktoren beteiligt sind. Vitamin K wird für die Bildung einiger dieser Gerinnungsfaktoren benötigt, die somit ohne das Vitamin gar nicht erst zur Verfügung stehen würden.

 

Des Weiteren spielt Vitamin K eine wichtige Rolle für den Knochenaufbau. Es agiert als Coenzym bei der Bildung von Osteocalcin, das für die Einlagerung von Calcium in den Knochen verantwortlich ist. Gleichzeitig hemmt Vitamin K die Aktivität von Osteoklasten, die für den Knochenabbau zuständig sind.

 

Vitamin K reduziert die fälschliche Ablagerung von Calcium an den Wänden von Blutgefäßen oder Knorpel und reduziert und dadurch auch das Risiko für Atherosklerose. Ob dieser positive Effekt auf das Herz-Kreislauf-System direkt oder indirekt ist, ist noch nicht abschließend geklärt.

 

Wo ist Vitamin K enthalten?

Über die Nahrung wird normalerweise nur Vitamin K1 aufgenommen. In geringen Konzentrationen kommt es in den meisten Lebensmitteln vor. Besonders große Mengen des fettlöslichen Vitamins finden sich in Blattgemüse, einigen Pflanzenölen und Hülsenfrüchten.

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt die täglich nötige Zufuhr für Erwachsene auf den Bereich zwischen 60 und 80 µg. In einer eigenen Erhebung aus dem Jahr 2004 stellt sie fest, dass die Menschen in Deutschland im Durchschnitt deutlich mehr Vitamin K zu sich nehmen (Männer: 280 µg; Frauen: 300 µg). Eine ausreichende Versorgung über die Ernährung ist somit in den meisten Fällen scheinbar gegeben

Zehn gute Vitamin K Quellen sind:

Was passiert bei einem Mangel Vitamin K?

Ein ernährungsbedingter Mangel an Vitamin K ist bei einem gesunden Erwachsenen in der Regel nicht zu erwarten und tritt eher bei schweren Essstörungen oder extrem einseitiger Ernährung auf.

Doch gibt es Probleme, die auch unabhängig von der Ernährung zu einer Unterversorgung mit Vitamin K führen können:

Die Bildung von Vitamin K2 durch Darmbakterien ist gestört
  • bei einer längerfristigen Einnahme von Antibiotika
  • kann mit Vitamin K1 kompensiert werden
Die Aufnahme von Vitamin K1 aus der  Nahrung ist gestört
  • bei chronischen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn)
Die Speicherung und Verwertung von Vitamin K ist gestört
  • bei schweren Lebererkrankungen

Ein Mangel an Vitamin K zeigt sich in Störungen der Blutgerinnung und vermehrter Blutung. So kann es zu längeren Blutungen nach Verletzungen, häufigem Nasenbluten oder Einblutungen in Gewebe kommen.

Was passiert bei einer Überversorgung mit Vitamin K?

Grundsätzlich gibt es keine Hinweise darauf, dass ein Überschuss an Vitamin K gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat aus diesem Grunde keinen Höchstwert für die Aufnahme festgelegt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist allerdings darauf hin, dass es zu Wechselwirkungen bei Patienten kommen kann, die blutverdünnende Medikamente (z.B. Marcumar) einnehmen. Sie werden auch als Vitamin-K-Antagonisten bezeichnet. Hier kann ein hoher Vitamin-K-Spiegel die Wirkung des Medikaments abschwächen und so die Therapie gefährden. Das BfR empfiehlt daher eine Höchstmenge von 85 µg Vitamin K1 und 25 µg Vitamin K2 pro Tagesdosis für Nahrungsergänzungsmittel.

Wann ist eine Substitution von Vitamin K ratsam?

Eine Substitution von Vitamin K sollte bei schweren Essstörungen erfolgen. Auch bei bestimmten chronischen Darm- oder Lebererkrankungen kann mit dem behandelnden Arzt über eine mögliche Substitution gesprochen werden, doch wird ein tatsächlicher Mangel eher selten vorliegen. Vorsicht ist geboten, wenn Blutverdünner eingenommen werden. In diesem Fall sollte stets die Rücksprache mit einem Arzt vorgenommen werden.

 

Eine therapeutische Anwendung von Vitamin K erfolgt oftmals bei Osteoporose. Studien deuten darauf hin, dass aufgrund seines Einwirkens in den Calcium-Stoffwechsel auch ein therapeutischer Effekt bei kardiovaskulären Erkrankungen oder Störungen der Nebenschilddrüse möglich sein könnten. Gerade nach der Menopause erfolgt ein gesteigerter Abbau der Knochensubstanz, der im Alter zu erhöhter Brüchigkeit der Knochen führt. Dieser Effekt könnte möglicherweise mit einem Zuschuss an Vitamin K abgemildert werden.

Einen Sonderfall stellen Neugeborene dar. Vitamin K gelangt nur in sehr geringen Mengen durch die Plazenta, sodass ein Vitamin-K-Mangel bei Neugeborenen zwar selten, aber regelmäßig vorkommt. Dabei kommt es meist innerhalb der ersten Lebenstage zu spontanen Blutungen, die lebensbedrohlich sein können oder schwere neurologische Schäden verursachen (Morbus haemorrhagicus neonatorum). Zur Prophylaxe ist es in Deutschland üblich, allen Neugeborenen eine orale Vitamin-K-Gabe innerhalb der ersten Lebenstage zukommen zu lassen.

Welche Wechselwirkungen gibt es mit anderen Vitalstoffen?

Große Mengen an Vitamin A können die Aufnahme von Vitamin K1 aus dem Darm stören. Vitamin E stört in großen Mengen die Funktion von Vitamin K, indem seine Aktivität teilweise gehemmt wird.

Vitamin K und Vitamin D wirken beide auf die Mineralisierung der Knochen. Nahrungsergänzungsmittel „für einen gesunden Knochenaufbau“ enthalten in der Regel Vitamin D3. Häufig wird noch Vitamin K zugefügt, da beide Vitamine die Mineralisierung der Knochen begünstigen. Dieser Bonus ist zumeist hauptsächlich werbewirksam, denn ein über Nahrungsergänzungsmittel erreichter Überschuss über die Bedarfsdeckung hinaus hat bei Vitaminen in den meisten Fällen keine zusätzliche Wirkung

Fazit

Vitamin K ist ein wichtiges Vitamin für die Blutgerinnung und spielt auch beim Knochenaufbau und der Gesundheit des Herz-Kreislaufsystems eine Rolle. Es ist in Lebensmitteln weit verbreitet und wird zum Teil von Darmbakterien produziert. Ein Mangel bei Erwachsenen ist eher selten. Das Problem liegt dann oft nicht in der Ernährung, sondern in Störungen der Aufnahme oder Verarbeitung des Vitamins. Eine Überversorgung ist für die meisten Menschen unproblematisch. Allerdings können sehr große Mengen Vitamin K die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten abschwächen.

Autor

Dr. rer. nat. Annika Mix

Annika Mix ist promovierte Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Nach ihrem Studium an der Ruhr Universität Bochum arbeitete sie einige Jahre in der medizinischen Grundlagenforschung. Mit einer anschließenden journalistischen Weiterbildung erfüllte sich den Wunsch, auf freiberuflicher Basis Wissen aus dem Bereich von Gesundheit und Forschung alltagsnah zu vermitteln. http://www.anysci.de/

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2006): The Nutrition Report 2004- Summary. https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/en/DGE-Nutrition-Report-summary-2004.pdf

Bundesinstitut für Risikobewertung (2021) Höchstmengenvorschläge für Vitamin K in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-vitamin-k-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf

Khalil et al. (2021) The Medical Benefits of Vitamin K 2 on Calcium-Related Disorders. Nutrients. 2021 Feb 21;13(2):691. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33670005/

Liu et al. (2021) The anti-osteoporosis effects of Vitamin K in postmenopausal women. Curr Stem Cell Res Ther. 2021 May 11. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33982655/